Ein Gespräch zwischen Jacob und Marco

von Martin

Marco:

„Jacob, ich würde dir gerne eine Frage stellen! Petra vom Totenhemd-Blog hat eine November-Blogaktion gestartet und stellt die Frage, wer mich auf dem Friedhof besucht, wenn ich zuerst sterbe? Also, wie wäre das für dich, würdest du mich auf dem Friedhof besuchen?“

Jacob:

„Ähhhm, Marco, du weißt, dass ich schon gestorben bin und nicht mehr vor dir sterben werde?“

Marco:

„Ja, das weiß ich! Aber angenommen, ich wäre tot und du würdest noch leben.“

Jacob:

„Sorry, aber das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. Ich bin tot, du lebst. Ende!“

Marco

„Das ist nicht die Antwort auf meine Frage! Bitte, bitte, sag mir, ob du mich auf dem Friedhof besuchst.“

Jacob:

„Marco, ich bin tot! Wir können nicht einmal mehr miteinander reden, geschweige, dass du mir solch eine Frage stellen kannst.“

Marco

„Das stimmt überhaupt nicht! Wie oft bitte ich dich um Hilfe, wenn ich ein Problem habe und du hilfst mir? Wie oft erinnerst du mich daran, etwas zu tun, was ich ansonsten vergessen hätte? Wie oft stelle ich dir Fragen, die du mir beantwortest? Und das alles, obwohl du ja angeblich nicht mehr bei mir bist.“

Jacob:

„Marco, klar kommunizieren wir noch miteinander und ich helfe dir, wo ich kann. Aber eigentlich musst du langsam lernen, auf deinen eigenen Füßen zu stehen. (*Jacob lacht*) Wie ist das denn mit dir? Besuchst du mich immer noch auf dem Friedhof?“

Marco

(*Marco errötet und stottert*) „Ähhm, ja, das weißt du doch. Du siehst mich doch dort. Na gut, ich könnte öfters vorbeischauen. Wenn ich das Bedürfnis habe, dann besuche ich dich auf dem Friedhof.“

Jacob:

„Ich hab dich dort selten gesehen, weil ich auch nicht oft am Kolumbarium bin. Fast immer bin ich bei dir, in deinen Gedanken und in deinem Herzen!“

Marco

„Nicht nur in meinem Herzen! Einen winzigen Teil deiner Asche habe ich bei mir zu Hause. Alleine dadurch bist du auch physisch, also körperlich immer bei mir.“

Jacob:

„Das ist nur meine Asche, Marco!“

Marco

„Trotzdem hilft es mir!“

Jacob:

„Erinnerst du dich, dass ich dich gebeten hatte, meine Asche mit nach Hause zu nehmen? Und sie dann an den Orten zu verstreuen, die ich in meinem Leben besucht habe.“

Marco

„Ja, daran erinnere ich mich. Du warst auf der Intensivstation, als du mir das sagtest. Aber du weißt Jacob, dass man hier in Deutschland die Asche nicht ohne zu tricksen mit nach Hause nehmen kann. Und ehrlich gesagt, ich bin nicht der reisefreudige Typ, wie du.“

Jacob:

„Ja, ja. Ich weiß! Deine Entscheidung, meine Asche im Kolumbarium beizusetzen, finde ich im Nachhinein eine gute Idee. Mir gefällt es dort.“

Marco

„Jacob, dann noch eine andere Frage: An was für einem Ort bist du jetzt eigentlich? Und wie ist es dort?“

Jacob:

(*Jacob lacht*) „Diese Frage darf ich dir nicht beantworten, das wurde mir mehrfach eingebläut! Ich kann dir nur sagen, dass es mir gut geht. Gerne wäre ich noch bei dir, denn mein Leben war einfach zu kurz. Und du fehlst mir.“

Marco

„Du fehlst mir auch!“ (*Marco kommen die Tränen*)

Jacob:

„Du musst nicht weinen! Ich bin bei dir, anders als damals, aber immer noch in deinem Leben! Und soll ich dir die Frage, die du mir anfangs gestellt hast, beantworten?“
(*Jacob zögert*)
„Meine Antwort ist…“

Kolumbarium
Das Haus der Klage – Mehr als ein Kolumbarium; ein Ort zum Trauern – Pütz ∞ Roth, Bergisch Gladbach

Das Interview mit Marco zum Tod von Jacob findest du hier: Interview mit Marco » Hinweis: Seinerzeit hatte ich das Interview über den Tod von Jacob von Anja anonymisieren lassen. Ich bin Marco!

Ein Gespräch zwischen Jacob und Marco | Totenhemd-Blog (wordpress.com)

Fotos: © Martin Höh

4 Kommentare

Petra 23. November 2021 - 11:14

danke, lieber Martin, ich freue mich sehr, dass Du heute bei unserer Blogaktion dabei bist und mit Humor und Schalk (und ich spüre die Trauer) geschrieben hast. Es gefällt mir sehr!

… in Gedanken an deinen verstorbenen Liebsten.
Er wird sich freuen 😉 …

Herzlich. Petra

Antworten
Padma Ellen Hochrein 23. November 2021 - 11:49

Deine Zeile, ähm….Euer Gespräch, das habe ich sehr gerne gelesen.
Ich habe Euch gelauscht, gespürt, bin berührt und weiß, Ihr werdet immer in Liebe verbunden sein, bis dass Dein eigener Tod Euch wieder vereint.

Antworten
Sarah Bernhardt 23. November 2021 - 16:11

So schön und bewegend. Danke ♡

Antworten
Anja 23. November 2021 - 17:26

Hach, Marcomartin,
ich habe euch sehr gerne „gelauscht“ und mich berühren lassen… Danke!
Liebe Grüße an den Jacob, wenn ihr mal wieder plaudert…
Herzlich,
Anja

Antworten

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