Begleitung Trauernder kostenlos, aber nicht umsonst.

von Martin

Ein Gastbeitrag von Katharina Philipp

Trauernde brauchen Beistand und Begleitung. Diese Unterstützung darf nicht an finanziellen Hindernissen scheitern. Ich habe mir schon sehr viele Gedanken gemacht zu diesem Thema.

Wir selbst haben nach dem Unfalltod unserer Tochter Unterstützung durch den Verein Trauernde Eltern und Kinder Rhein-Main e. V. erfahren. Mein Mann und später auch ich nahmen dort an einer Selbsthilfegruppe teil. Obwohl die Gruppe von einer ausgebildeten Trauerbegleiterin geleitet wird, war der Kostenbeitrag gering. Dies ist natürlich nur möglich, weil der Verein durch Spenden finanziert wird.

Eine fundierte Ausbildung zur Trauerbegleiterin ist eine zeitaufwändige und kostspielige Sache. Die Trauerbegleitung soll daher auch nicht umsonst für den Trauerbegleiter sein. Vor allem wenn das Anbieten dieser Begleitung zum Lebensunterhalt beiträgt.

Andererseits widerstrebt mir die Tatsache total, dass sich ein Mensch in einer Notlage nur Hilfe holen kann, wenn er über die entsprechenden Mittel verfügt.

Ein wichtiger Aspekt ist auch, dass vielen Trauernden nicht bekannt ist, welche Angebote es für sie gibt. Hier bedarf es noch viel Information.

Katharina Philipp

Die trauernde Person bekommt dann professionelle Hilfe bezahlt, wenn sie medizinische Symptome aufweist. Wenn sich zum Beispiel eine Depression als Begleiterscheinung einstellt, zahlt die Krankenkasse einen Therapeuten. Im neuen ICD, das 2022 in Kraft tritt, gibt es eine eigenständige Diagnose für „Anhaltende Trauerstörung“. Die Diagnosekriterien lassen sich im Internet finden. Grundlegend ist eine Dauer der Störung von über einem halben Jahr. Ich bin da sehr gespalten in der Meinung über die Diagnosestellung und diese wird auch unter Trauernden kontrovers diskutiert. Zum einen wird Trauer pathologisiert. Trauer an sich ist keine Krankheit. Zum anderen wird eine Möglichkeit geschaffen, dass sich Trauernde ohne finanzielle Probleme Hilfe gestellt bekommen.

Trauerbegleitung ist keine therapeutische Maßnahme. Trauerbegleitung kann aber möglicherweise verhindern, dass der Mensch so tief in der Schwärze der Trauer versinkt, dass sich eine Depression entwickelt. Im medizinischen Sinne ist Trauerbegleitung also Prävention. Warum wird also Trauerbegleitung nicht als Prävention angesehen und unterstützt? Vereine haben da wohl Möglichkeiten, dass ihre Aktivitäten von Krankenkassen unterstützt werden.

Ich werde demnächst eine Ausbildung zur Trauerbegleiterin beginnen. Für mich ist es absolut offen, was ich nach der Ausbildung anbieten werde. Meine Idealvorstellung wären niederschwellige Angebote, die dazu beitragen, dass Trauer in die Mitte der Gesellschaft gerückt wird und die die Menschen dort abholt, wo sie sich befinden. Mir selbst widerstrebt es für Trauerbegleitung Geld zu verlangen, aber ich werde Angebote neben meinem Beruf und daher ehrenamtlich anbieten. Andererseits vertrete ich auch den Standpunkt, dass eine erbrachte Leistung durchaus honoriert werden sollte.

Ein wichtiger Aspekt ist auch, dass vielen Trauernden nicht bekannt ist, welche Angebote es für sie gibt. Hier bedarf es noch viel Information.


Die Buchhändlerin Katharina verlor ihre Tochter Sophia (21) bei einem tödlichen Reitunfall. Ihre Trauer konnte sie lange nicht zulassen. Dieser Gastbeitrag ist ihre Antwort auf meinen Artikel Kann ich mir meine Trauer leisten? Herzlichen Dank! Katharina findest du auf Instagram @km.philipp bzw. @sophiawasneverhere.

Titel-Foto: © Katharina Philipp, die Karten auf dem Foto sind von Eva Schreiber, Instagram.

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