Kann ich mir meine Trauer leisten?

von Martin

Bild von Frantisek Krejci auf Pixabay

In der Trauer um meinen Mann und meiner Mutter, die kurz hintereinander verstarben, fiel ich in eine schwere, kaum zu ertragende Lebensphase. Um mir helfen zu lassen, nahm ich zunächst Kontakt mit einer ehrenamtlich tätigen Frau über das Hospiz auf, in dem mein Mann gestorben war. Sie hatte ihre Arbeit gut gemacht. Jedoch konnte ich mich ihr gegenüber nicht richtig öffnen und beendete irgendwann diese Trauerbegleitung.

Es folgte eine Trauergruppe bei meinem Bestatter. Es war eine bunt gemischte Gruppe, die sich zu diesem Zeitpunkt gründete und aus verschiedenen Frauen und Männern bestand; die meisten hatten Ihre:n Ehepartner:in verloren. Diese Gruppe war sehr hilfreich und ich habe heute noch Kontakt zu den ein oder anderen Teilnehmern. Was mich allerdings dazu gebracht hat, die Gruppe zu verlassen, waren die hohen Kosten ab dem zweiten Halbjahr. Für das erste halbe Jahr, wir trafen uns zweimal im Monat, wurden 220 Euro berechnet, danach 520 Euro.

Damals wäre eine weitere Möglichkeit gewesen, sich eine:n persönliche:n und professionelle:n Trauerbegleiter:in zu suchen und mit ihm:ihr die Trauer aufzuarbeiten. Schaue ich mich auf Instagram und Facebook nach solche:n Begleitern:innen um, finde ich viele Angebote mit Stundensätzen zwischen 25 und 150 Euro. Mir stellt sich die Frage, wie sich trauernde Angehörige Beträge in dieser Höhe leisten können. Gerade anfangs in der tiefen Trauerphase, und das ist meine Meinung, ist es hilfreich, einmal wöchentlich ein beratendes Gespräch zu führen. Schnell belaufen sich dann die Kosten auf 80 bis 600 Euro pro Monat. Gut, auch die Menschen, die diese Dienstleistung anbieten, müssen leben und ihren Lebensunterhalt verdienen. Darum direkt der Hinweis, dass ich dieses Thema aus der Sicht der Trauernder betrachte.

Geholfen haben mir letztendlich meine Familie, vor allem meine liebe Schwester, Freunde und Bekannte.

Martin

Andererseits hätte ich mich auch einer Trauergruppe auf Facebook anschließen und mich dort mit Gleichgesinnten austauschen können. Als Datenschutzbeauftragter habe ich jedoch meine Bedenken gegenüber Facebook und vor allem missfallen mir manche nicht hilfreichen Antworten und Floskeln. Und mit dem Austausch in einer Gruppe möchte ich meine Trauer aufarbeiten und langsam aus dem schwarzen Loch herauskommen und wieder in mein Leben zurückfinden. Bei einer Facebook-Gruppe mit 1.000 oder mehr Mitgliedern wird man laufend mit neuen Trauerfällen konfrontiert und immer und immer wieder in die Tiefen der Trauer gezogen. Meine persönlichen Facebook-Beiträge zum Thema Tod werden gelesen, vielleicht von einigen Teilnehmern geliked und kommentiert, verschwinden dann aber in den Tiefen der Datenkrake und werden kaum noch gefunden, geschweige gelesen. Für mich persönlich ist das nicht die ultimative Lösung in der Trauerphase.

Und was bleibt? Ich weiß es nicht. Geholfen haben mir letztendlich meine Familie, vor allem meine liebe Schwester, Freunde und Bekannte. Und selbst nach mehr als drei Jahren rutsche ich ab und an ein Stück den Abhang des schwarzen Lochs hinab und ziehe mich selbst an den Haaren wieder zurück ins Leben.

Fortsetzung folgt…

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