Interview: Birgit (55)

von Martin

Birgit verlor im Alter von anderthalb Jahren ihren Bruder Stefan. Sie hat viele Jahre gebraucht, um ihre Entwicklung zu verstehen. Heute arbeitet sie als Trauerbegleiterin, Coachin und Visionärin.

Welche Bedeutung hatte dein Bruder Stefan in deinem Leben und wie würdest du deine Beziehung zu ihm beschreiben?

Mein Bruder hat mein Leben geprägt. Er hat mir sozusagen meine Seelenaufgabe gezeigt. Er hat meine Vision geprägt. Er ist immer im Herzen bei mir.

Wie alt warst du, als er gestorben ist und wie erinnerst du dich an seinen Tod?

Ich war anderthalb Jahre alt. Natürlich habe ich keine rationalen Bilder in Erinnerung. Aber definitiv dieses übergroßen Gefühl von Leere, Schmerz und Stille nach seinem Tod.

Woran ist Stefan gestorben?

Er starb an einer Neugeboreneninfektion, wenige Stunden nach seiner Geburt.

Was war für dich das Schlimmste an seinem Tod und wie hast du es geschafft damit umzugehen?

Das Schlimmste war das Schweigen. Dass er zu einem Tabu wurde. Dass es keine Hilfe gab für meine Eltern. Ich habe viele Jahrzehnte Lebens- und Therapieerfahrungen gebraucht, um meine Entwicklung zu verstehen.

Was hättest du rückblickend in und mit deiner Trauer vielleicht gerne anders gemacht?

Ich hätte Eltern gebraucht, die darüber reden. Die fühlen, weinen, trauern. Die über ihn erzählen. Ihm einen Platz in der Familie lassen. Die mich nicht übersehen in meinen Bedürfnissen.

Wer oder was hat dir am meisten geholfen, mit dem Verlust fertig zu werden?

Ich mir selber – in meinen Ausbildungen, Reflexionen und dem Mut, mich dem Thema zu stellen.

Was würdest du jemandem sagen, der gerade in einer ähnlichen Situation mit dem Tod konfrontiert ist?

Hol dir Hilfe. Akzeptiere. Fühle. Lerne deine Ressourcen kennen. Und vor allem: übersieh deine Leiden nicht!

Wie denkst du heute über deinen Bruder und seinen Tod?

Es hat unsere Familie zu tiefst geprägt und erschüttert. Und es hat mir die schönste Aufgabe im Leben geschenkt: anderen Trauernden und Menschen im Abschied zu helfen.

Wie hat dich der Tod deines Bruders verändert?

Ich habe mich als Kind komplett zurück genommen und gelernt, dass die Bedürfnisse meiner Eltern im Vordergrund stehen. Heute habe ich mich gut im Blick.

Bitte verrate uns, wer du bist, wie alt du bist, wo du lebst, was du beruflich machst – was du gerne über dich sagen möchtest.

Birgit Schneider, 55 Jahre, feinfühliger Mensch mit vielen Rollen im Leben. Ich arbeite als selbständige Trauerbegleiterin, Coach und Visionärin und leben mit viel wunderbarer Natur und mit meiner Familie (Ehemann, Sohn und Hund Charly) im schönen Sauerland.

Foto: © Birgit Schneider

Vielleicht magst du uns noch erzählen, wie du zur Trauerbegleitung 2.0 gekommen bist?

Das ist eine gute Frage. Erst war es mein Unterbewusstsein, was mich dahin gebracht hat, Menschen zu helfen. Vom Germanistikstudium zur Krankenschwester. Dann habe ich gespürt, dass ich im Hospiz arbeiten will und das „Schicksal“ hat mich ins Kinderhospiz nach Olpe gebracht. Seit meiner Ausbildung zur Trauerbegleiterin weiß ich auch, warum das alles so gelaufen ist. Mittlerweile bin ich noch systemischer Coach, DaltaCure Practicioner und Visionärin für eine neue Trauerkultur. Ich arbeite mit Trauernden intuitiv und systemisch in Einzelgesprächen. Aber auch in Workshops in geschlossenen Facebook-Gruppen. Und meine Erfahrungen, die ich im Leben damit gemacht habe und immer noch mache und in meinem Instagram-Blog teile, können helfen.  Meine Arbeit hat mit vor allem geholfen, zu verstehen, was in meiner Familie passiert ist und warum ich bin, wie ich bin. Und dass ich noch viel mehr bin.

Hier geht es zu Birgits Webseite: Birgit Schneider | Ich zeige Dir, wie du mit Leichtigkeit und Liebe den Schmerz einer Trauer meisterst.

Wichtiger Hinweis: Es handelt sich hier nicht um bezahlte Werbung oder Empfehlungen für bestimmte Organisationen, Firmen oder Personen. Jeder, der möchte, kann auf Dein Tod und ich seine Geschichte erzählen.

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