Interview: Rita (65)

von Martin

Rita erzählt uns in diesem Interview über den Tod ihres Mannes, den sie unerwartet und zu früh im Alter von 30 Jahren verloren hat.

Rita, was für ein Mensch war dein Mann?

Sportlich, ehrlich, kompromissbereit, liebevoll, sehr beliebt, gesellig, großzügig.

Welche Bedeutung hatte dein Mann in deinem Leben und wie würdest du eure Beziehung beschreiben?

Wir haben sehr jung, mit 17, geheiratet. Er war ein großes Vorbild für mich, trotzdem war unsere Beziehung auf Augenhöhe; eine sehr gute Beziehung. Wir hatten gerade 2 Kinder adoptiert, da muss schon einiges stimmen, sonst machen die Behörden da nicht mit.

Wie alt warst du, als er gestorben ist und wie erinnerst du dich an seinen Tod?

30. Wir hatten Besuch und haben unsere gemeinsames Silvesterfest vorbereitet und auch bisschen getrunken. Eine Bekannte hat bei uns übernachtet. Nachts im Bett wurde ihm schlecht. Ein Arzt kam, hat ein EKG gemacht und Schmerzmittel gespritzt. Es wurde aber nicht besser, er setzte sich auf, sagte ihm tät die Brust so weh, röchelte und starb. Herzmassage gemacht; nix ging mehr. Arzt kam noch mal, konnte nur noch den Tod feststellen. Plötzliches Herzversagen.

Woran ist er gestorben?

Plötzliches Herzversagen. Im Nachhinein wurde Angina Pectoris diagnostiziert.

Was war für dich das Schlimmste an seinem Tod und wie hast du es geschafft damit umzugehen?

Dieses Plötzliche und Unvorbereitete, die Art und Weise, meine Hilflosigkeit. Ich musste für meine Kinder funktionieren; sie waren fünf und zweieinhalb Jahre alt. Der Kleine lebte gerade erst sechs Monate bei uns (adoptiert). Später habe ich eine Therapie gemacht, um mit meinen psychosomatischen Problemen, die ich seit dem Tod hatte, umgehen zu können.

Was hättest du rückblickend in und mit deiner Trauer vielleicht gerne anders gemacht?

Ich hätte gerne jemanden an meiner Seite gehabt, der mich bei all den Problem etwas unterstützt und meine Beschwerden ernst genommen hätte, mir etwas Verantwortung abgenommen hätte.

Wer oder was hat dir am meisten geholfen, mit dem Verlust fertig zu werden?

Eine Freundin, die Verantwortung und das Funktionieren und Starksein für meine Kinder mit übernommen hat und für meine Rechte gekämpft hat.

Was würdest du jemandem sagen, der gerade in einer ähnlichen Situation mit dem Tod konfrontiert ist?

Ich würde ihm die Hilfe geben wollen, die ich vermisst habe, die Schuldgefühle nehmen, Trost spenden für ein weiteres Leben auch ohne den Verlust.

Wie denkst du heute über deinen Mann und seinen Tod?

Ich denke, er hätte ruhig noch etwas bei mir bleiben sollen, es war einfach zu früh und zu unerwartet.

Wie hat dich der Tod deines Manns verändert?

Ich bin selbstständiger und selbstbewusster geworden, habe gelernt, mich und meine Interessen durchzusetzen, zu kämpfen und vor allem auch viel zu ertragen.

Was geht dir durch den Kopf?

Ich hätte gern das Aufwachsen der Kinder mit ihm zusammen erlebt.

Wer bist du?

Ich bin nun 65, lebe in einer Partnerschaft mit einer Frau, arbeite nicht mehr, mache nur noch den Haushalt und gehe meinen Interessen nach. Habe nach wie vor schwierige Momente und versuche meinen Leben immer einen Sinn zu geben.

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